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Ökonomie

Für Gleichberechtigung in der Arbeitswelt!

Die Ungleichbehandlung von Frauen in der Arbeitswelt ist konstant. Die Lohnschere klafft in Österreich weit auseinander – Frauen verdienen ungefähr ein Drittel weniger, arbeiten insgesamt mehr als Männer und müssen am meisten unbezahlte Arbeit leisten. Schlechte Voraussetzungen? Ja, aber veränderbar: Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt ist keine Utopie, sondern möglich. Hier eine Analyse der Situation und Lösungen.

Sonntag, 27. September 2009, 9 Uhr: Eine erwerbstätige Frau arbeitet ab diesem Datum, dem Equal Pay Day, gratis! Denn aufgrund der Tatsache, dass Frauen in Österreich ungefähr ein Drittel weniger verdienen als Männer , arbeiten sie in diesem Land etwa drei Monate umsonst. Der Equal Pay Day wird jedes Jahr neu berechnet, die Zeit der Gratis-Arbeit bleibt dabei ziemlich konstant bei den drei Monaten.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit?

Die Einkommensschere klafft in Österreich weit auseinander – fast ein Drittel weniger zu verdienen macht das Leben in der Arbeitswelt nicht besonders angenehm. Vor allem, weil die Benachteiligung zumeist nicht auf unterschiedliches Bildungsniveau oder Berufserfahrung zurückzuführen ist, sondern aufgrund von faktischer Diskriminierung von Frauen entsteht.
Es ist aber nicht nur die Ungleichbehandlung beim Gehalt, die zu den ökonomischen Nachteilen von Frauen führt – es ist auch die Art und Weise der Arbeitsplätze.

Der Frauenbericht der ArbeiterInnenkammer 2006 sieht in der Qualität der von Frauen besetzen Arbeitsplätzen ein zunehmendes Problem: „Teilzeitarbeit und die Dominanz von Tätigkeiten im Niedriglohnsektor haben zu einem Anstieg von Arbeitsplätzen mit einem nicht existenzsichernden Einkommen geführt.“

Die Stundenlöhne für Teilzeitbeschäftigung sind weitaus geringer als jene für Vollzeitbeschäftigung – und der Großteil der erwerbstätigen Frauen ist teilzeit-, nicht vollzeitbeschäftigt; im Bereich der geringfügigen Entlohnung sind vor allem Frauen tätig.

In Österreich lag die Frauenerwerbsquote 2006  (Anteil der Frauen zwischen 15 und 65, die einer Erwerbsarbeit nachgehen) bei 63,5 Prozent (im Vergleich zu 76,9 Prozent bei Männern). Frauen sind also zunehmend erwerbstätig (noch 2000 lag der Wert unter 60 Prozent), was insgesamt mehr Unabhängigkeit bedeutet: So sind erwerbstätige Frauen seltener von Armut betroffen (Statistik Austria) und werden mit geringerer Wahrscheinlichkeit Opfer von häuslicher Gewalt. Der Eintritt in den Arbeitsmarkt scheitert allerdings immer noch an traditionellen Rollenbildern, die durch die Gesetzgebung verstärkt werden.

Gläserne Decke in der Arbeitswelt

Der Begriff Gläserne Decke bezeichnet, dass die meisten hochqualifizierten Frauen beim Aufstieg innerhalb von Unternehmen oder Organisationen nicht bis in die Führungsetage kommen, obwohl sie die gleichen Leistungen erbringen wie bevorzugte männliche Kollegen.

Die Soziologin Christiane Funken zur gläsernen Decke: „‚Glass ceiling‘ lässt sich als wirkmächtige Karriererestriktion beschreiben, die subtil und kaum messbar den Weg von Frauen in das gehobene Management verhindert. Die Angst vor einer geringeren Durchschnittsproduktivität von Frauen und vor höheren weiblichen Fluktuationsraten konnte jedoch durch zahlreiche nationale und internationale Studien eindeutig widerlegt werden.

Stattdessen sorgen Stereotypisierungen und Homogenitätserwartungen  bei der Einstellungs- und Beförderungspolitik in den karriererelevanten Netzwerken für Schließungsprozesse gegenüber Frauen.“ (zit. nach Wikipedia „Gläserne Decke“)

Berufsbiographien orientieren sich am Modell eines Mannes: Erwartungen wie die nach uneingeschränkter Mobilität, ständiger Verfügbarkeit und ununterbrochener Karrierebiographie passen mit Frauen, die Kinder betreuen müssen, nicht zusammen. Die Mischung aus fehlenden Vorbildern, angenommener Selbstverständlichkeit und gesetzlicher Untersteuerung macht diese Situation festgefahren.

Unbezahlte Arbeit und Armut

Reproduktionsarbeit ist in Österreich in Frauenhand – unbezahlt. Der AK-Frauenbericht analysiert: „Die zeitliche Bindung von Frauen durch unbezahlte Arbeit bedeutet weniger Zeitressourcen für bezahlte Arbeit, weniger Zeit für Bildung.“ Alleine die Tatsache, dass Frauen nicht die gleichen Zeitressourcen zur Verfügung haben wie Männer, macht Gleichstellung am Arbeitsmarkt, gerechte Einkommensverteilung und damit ökonomische Gleichstellung kaum bis gar nicht möglich.

Zudem werden jene Branchen in denen vorwiegend Frauen arbeiten, gering geschätzt. Geringerer Lohn für gleiche Arbeit, prekäre Arbeitsverhältnisse, unbezahlte Haus- und Versorgungsarbeit sind Gründe warum Armut vor allem Frauen trifft. 1995 waren 500.000 Frauen in Österreich armuts- bzw. akut armutsgefährdet.

Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise trifft Frauen aufgrund der verstärkten prekären Beschäftigung härter. Die Politologin Gilla Doelle sieht Probleme bei der Kinderbetreuung, falls die Krippen wegen Geldmangels nicht weiter ausgebaut werden, sagte sie in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Frauen fördern

Dass Frauen im aktuellen Wirtschaftssystem benachteiligt werden ist im öffentlichen Diskurs bereits angekommen, die Vielfalt der möglichen Maßnahmen wird häufig besprochen, aber zu wenig umgesetzt.

Auswahlverfahren für Führungspositionen müssen transparent gestaltet werden – es muss nachvollziehbar sein, warum der Job vergeben wurde. In Aufsichtsräten sind Frauenquoten – wie auf den Unis – eine Möglichkeit um mehr Frauen zu fördern.

Es wird häufig unterschätzt, was Vorbildwirkung ausmacht. Frauenförderprogramme und Mentoringprogramme helfen Frauen, einander zu ermutigen und Netzwerke zu schaffen. Innerbetriebliche Weiterbildung muss möglich sein, innerhalb der Arbeitszeit – so dass Frauen nicht aufgrund von Kinderbetreuung zu kurz kommen.

Der Übergang von Teilzeit auf Vollzeit muss erleichtert werden – Frauen dürfen nicht im Teilzeit-Job „hängen“ bleiben und dadurch gezwungenermaßen an die gläserne Decke stoßen.

Kinderbetreuung darf nicht mehr nur an Frauen hängen bleiben – Väterkarenz und Kinderbetreuungseinrichtungen müssen zur Selbstverständlichkeit ohne Gehaltseinbußen, Ächtung oder Kredit werden.

Maßnahmen zur Bekämpfung der Einkommensschere sind einfach: Offenlegung der Gehälter wäre ein Schritt zu mehr Transparenz und würde viele Personalmanager in Zugzwang bringen bzw. die Verhandlungspositionen von Frauen erleichtern. Wirtschaftsförderung für Unternehmen muss an wirksame Frauenförderung gekoppelt werden.