Mehr Frauen in die Wissenschaft!
Bessere Bildungsmöglichkeiten für Frauen stehen seit langem ganz oben auf der Liste der feministischen Fordeurngen diverser Parteien und politischer Gruppen. Durch verschiedene Maßnahmen, wie die Abschaffung der Studiengebühren und den offenen Hochschulzugang, strömten Frauen in die Hochschulen. Seit einiger Zeit beginnen in fast allen Studienrichtungen mehr Frauen ein Studium als Männer. Eigentlich sollten wir annehmen können, dass Gleichberechtigung auf den Hochschulen bereits erreicht ist, doch leider stoßen Frauen dort immer noch auf Diskriminierung.
Mittlerweile beginnen mehr Frauen als Männer ein Studium. Allerdings kämpfen wir immer noch mit dem Problem der „gläsernen Decke“. So wird der Frauenanteil nach jedem Einschnitt im Studium immer geringer. Besonders die Umstellung auf das Bachelor-Master System birgt die Gefahr, dass Frauen schon nach dem Bachelorstudium aufhören, während ein Großteil der Männer ein Masterstudium anhängt.
So lag der Frauenanteil bei Erstzulassungen zu Bachelorstudien an öffentlichen Universitäten im Wintersemester 2008/09 bei 57,1 Prozent, bei Masterstudien dagegen waren es nur noch 55 und bei den Erstzulassungen zu Doktoratsstudien lag der Frauenanteil nur noch bei 40,4 Prozent.
Maximilian Mustermann
Woran kann das liegen? Wir werden zum Beispiel durch das gesellschaftliche Bild eines Paradestudenten, der mit den ProfessorInnen diskutiert und den wissenschaftlichen Habitus – also das erwartete Verhalten von Studierenden – tadellos beherrscht, noch so sehr beeinflusst, dass sich viele
Frauen ein höheres Studium gar nicht zutrauen. Hier fehlen Mentoring- und Förderprogramme, die Frauen ermutigen im universitären Betrieb zu bleiben und möglichst hohe Bildung zu genießen.
Gegen Stereotype
In der Studienwahl sind leider immer noch geschlechtsspezifische Unterschiede zu bemerken. So studieren auf technischen Universitäten nur 20 Prozent Frauen. Vorurteile, die immer noch in den Köpfen der Menschen verhaftet sind, beeinflussen junge Frauen in ihrer Entscheidung.
Technisches Interesse wird immer noch eher Männern zugeschrieben. Frauen, die sich für Mathematik, Informatik oder anderes interessieren, müssen schon vor der Studienwahl dazu ermutigt werden.
Das Geschlecht bestimmt nicht, wer für welche Bereiche besser oder schlechter geeignet ist. Programme, wie „Frauen in die Technik“ sind ein guter Ansatz und müssen ausgeweitet und verbessert werden.
Unbeschränkt studieren
Zugangsbeschränkungen auf allen Ebenen diskriminieren Frauen. Wie die Medizin-Aufnahmeverfahren zeigen, bestehen mehr Männer den Test als Frauen.
Auch die geplanten Zugangsbeschränkungen in den aufbauenden Master- und PhD-Studien lassen befürchten, dass Frauen aus dem universitären Bereich gedrängt werden. Nur der offene und freie Hochschulzugang kann gleiche Chancen für beide Geschlechter herstellen.
Die gläserne Decke
Es fehlt in vielen Bereichen auch an weiblichen Vorbildern. Die „gläserne Decke“ ist ein Symbol dafür, dass Frauen irgendwann an eine unsichtbare Grenze stoßen, die es ihnen unmöglich macht, auf der Karriereleiter voranzukommen. So stehen an der Spitze der österreichischen Universitäten 21 Männer als Rektoren und keine einzige Frau. Bislang gab es überhaupt erst eine Rektorin. Je höher die Position an den Universitäten, desto geringer der Frauenanteil.
Der „Glasdecken-Index“ beschreibt die Chancen von Frauen im Vergleich zu Männern, Professorinnen an einer österreichischen Universität zu werden, wobei 1 völlige Chancengleichheit bedeuten würde. 2008 beträgt dieser in Österreich 0,51. Das heißt, dass Frauen es doppelt so schwer haben Professorinnen zu werden, wie
Männer. Überhaupt sind nur 16 Prozent der ProfessorInnen Frauen. Der Frauenanteil unter den DozentInnen beträgt 20 Prozent und der von AssistentInnen immerhin schon 40 Prozent.
Quoten und andere gesetzliche Möglichkeiten
Hauptgrund für diese niedrigen Frauenanteile an den Universitäten ist strukturelle Diskriminierung, zum Beispiel durch lange bestehende Männernetzwerke: Seilschaften, wie der Cartellverband, grenzen Frauen aus Prinzip aus, sind aber gleichzeitig wichtige Player in der österreichischen Hochschullandschaft. Es stellt sich auch die Frage, inwiefern Hochschulen eine wissenschaftliche Karriere von Frauen durch mangelnde Fortbildungsmöglichkeiten und Kinderbetreuungseinrichtungen sowie ungesicherte Arbeitsverhältnisse derzeit verhindern.
Um dieser Unterrepräsentanz und Diskriminierung von Frauen im wissenschaftlichen Betrieb ein Ende zu bereiten, gibt es viele Möglichkeiten. Eine wäre zum Beispiel eine gesetzlich verpflichtende Frauenquote, wie es in Norwegen schon lange üblich ist. Die 40-prozentige Frauenquote in allen Gremien, die mit der Universitätsgesetznovelle 2009 eingeführt wurde, ist ein erster Schritt, reicht aber noch lange nicht. Auch strukturell verankerte Frauenförderungseinrichtungen, wie ein verpflichtendes Vizerektorat dafür, wären erstrebenswert.
Frauen- und Geschlechterforschung
In jedem wissenschaftlichen Fach gibt es frauen- und geschlechterspezifische Forschung. In der Medizin werden zum Beispiel die unterschiedlichen Auswirkungen von Medikamenten bei Männern und Frauen untersucht, in der Literatur die Wirkung von Schriftstellerinnen.
In die Lehre haben diese Forschungsgebiete leider nicht überall Einzug gefunden. Gender Studies ist in vielen Studien immer noch nicht existent oder ein Randgebiet. Darum fordert der VSStÖ verpflichtende Gender-Lehrveranstaltungen in jedem Studium.
No means no!
Gewalt von Männern gegenüber Frauen ist auch auf den Hochschulen ein Thema. Gerade im Herbst 2009 wurden einige Fälle von sexueller Belästigung auf der Universität Salzburg aufgedeckt. Die Hochschulen sollten aber ein Ort sein, an dem sich jede Frau sicher und geschützt vor sexualisierter Gewalt fühlen sollte.
Daher ist es einerseits wichtig, dieses Problem immer wieder zu thematisieren, aber auch genügend Anlaufstellen für betroffene Frauen in den Hochschulen einzurichten.
Die Hälfte der Welt
Frauen machen über die Hälfte der Bevölkerung aus. Um endlich auch die Hälfte der Universität zu erreichen, benötigt es viele Maßnahmen. Auf struktureller Ebene wäre ein eigenes Gremium, das sich nur mit Frauenförderung und der Kontrolle der Gleichbehandlung von Männern und Frauen auseinandersetzt, notwendig.
Der VSStÖ schlägt dazu eine Kommission vor, die – ausreichend finanziell und personell ausgestattet – die unterschiedlichen Projekte und Maßnahmen durchführt und überwacht.




